Unsere Idee

Brücke-Krücke

ist eine integrative Gruppe behinderter und nichtbehinderter Jugendlicher und junger Erwachsener, die gemeinsam einen Teil ihrer Freizeit gestalten. Die Gruppe ist an die Katholische Jugendagentur Bonn gGmbH angeschlossen.
Der Name „Brücke-Krücke“ ist Programm: Es soll eine Brücke zwischen Behinderten und Nichtbehinderten geschlagen werden. Es ist das Anliegen der Gruppe, wie auch im Logo verdeutlicht, die Schlucht bzw. Kluft zwischen Behinderten und Nichtbehinderten zu überbrücken bzw. zu überwinden.
Bei allem, sei es eine Tages- oder Wochenendveranstaltung oder eine große Jahresfahrt, gelten zwei wichtige Grundsätze:
Die Organisation wird von den behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen gemeinsam ehrenamtlich übernommen. Nur jene Vorschläge werden in das Jahresprogramm von "Brücke-Krücke" aufgenommen, für die sich auch Organisatoren aus der Gruppe finden.
Unterstützt werden die Jugendlichen von einer pädagogischen Mitarbeiterin und einem Freiwilligen im sozialen Jahr.
Es gilt bei allem das Motto: „Die ganze Gruppe oder keiner“. So hat die Gruppe es z.B. durchsetzen können, den schiefen Turm von Pisa mit den Rollstuhlfahrern zu erklettern, ebenso die Stufen des Pariser Eiffelturms oder Zugang zu den für Gehbehinderte unzugänglichen Katakomben in Paris zu erlangen.
Da bei der ersten Fahrt der Gruppe nach Rom alles nicht behindertengerecht war, die Unterkunft, der Bus etc., sich aber herausstellte, dass gerade das eine besondere Herausforderung für die Jugendlichen war, benötigt die Gruppe bis heute keine behindertengerechten Einrichtungen, übernachtet z.B. in normalen Jugendherbergen und fährt in normalen Bussen. Es ist für viele Behinderte ein eindrucksvolles Erlebnis, in dieser Gruppe sozusagen nicht „behindert“ zu sein. Immer wenn die Gruppe von nicht behindertengerechten Verhältnissen hört, ist es ihr Ehrgeiz, „es“ dennoch zu schaffen.
Bei den Reisen von „Brücke-Krücke“ spielt neben dem Spaß und der Integration auch immer der Bildungsaspekt eine wichtige Rolle. So werden bei der Besichtigung von Städten, Bauwerken, Museen etc. immer Referate von den Teilnehmern gehalten, die diese in einer Gruppe mit Behinderten und Nichtbehinderten gemeinsam anfertigen. Auch liegt es der Gruppe besonders am Herzen, Kontakt zu anderen, wenn möglich ähnlichen Behindertengruppen auf ihren Reisen durch die Welt zu treffen und so den internationalen Austausch anzuregen.
In der Gruppe gibt es keine „Betreuer“. Die Behinderten betreuen die Nichtbehinderten und die Nichtbehinderten betreuen die Behinderten. Wer sich für wen und was zuständig fühlt, das ergibt sich erstaunlicherweise von selbst. Was für die Behinderten zu tun ist, sagen zumeist die Behinderten selbst oder es ergibt sich. Für uns ist es wichtig, dass sich gegenseitig nicht aus professioneller oder Angehörigenpflicht geholfen wird, sondern aus Freundschaft.
Bei Brücke-Krücke organisieren und erleben behinderte und nichtbehinderte Jugendliche gemeinsam Veranstaltungen und Fahrten, die möglichst preiswert sind. Es gibt keine professionellen Betreuer und jeder hilft dort, wo er kann. Das unterscheidet „Brücke-Krücke“ von anderen Jugendgruppen. Die Erfahrung im Umgang mit behinderten Menschen, in der ehrenamtlichen Organisation von Veranstaltungen etc. wirkt sich bei vielen Jugendlichen sehr positiv auf ihre Persönlichkeitsentwicklung aus.

Darüber hinaus wurde aus der Gruppe das Bedürfnis geäußert, eine integrative Wohngemeinschaft nach den Prinzipien von „Brücke-Krücke“ ohne professionelle Betreuer zu gründen. Dieses Projekt konnte 1991 realisiert werden und bestand in der Trägerschaft des Brücke-Krücke e.V. bis zum 31.12.2014.

Die Gruppe hat vielfache Anerkennung gefunden. 1986 erhielt sie den Preis für bürgerschaftliche Selbsthilfe der Stadt Bonn. 1990 wurde in der ARD ein halbstündiger Film über die Gruppe gezeigt mit dem Titel „Chaos im Rollstuhl - Erfahrungen mit einer ungewöhnlichen Jugendgruppe“. Nach diesem Film kam es auch zu Kontakten mit anderen Gruppen, die vom Ansatz der Gruppe lernen wollten. Die Gruppe wird auch in den lokalen Medien immer wieder erwähnt, was wichtig ist, um den integrativen Gedanken publik zu machen.

Finanzierungskonzept

Die Finanzierung der Gruppe ist immer wieder ein großes Problem, da sie durch alle üblichen Förderungsraster fällt. Einerseits fallen keine eigentlichen „Betreuungskosten“ an, da die Gruppe sozusagen aus Prinzip nicht betreut. Andererseits reicht die normale Förderung für Jugendgruppen nicht aus, da zwar keine behindertengerechten Einrichtungen und Busse gebraucht werden, aber doch z.B. ein normaler Bus häufiger. Das Innovative dieser Gruppe wird hier besonders deutlich. Wenn man keine zusätzlichen Förderungen bekäme, würde das im Endeffekt bedeuten, dass ein nichtbehinderter Jugendlicher für eine Fahrt mit Behinderten mehr bezahlen müsste, als wenn er nur mit Nichtbehinderten wegfahren würde. Denn Behinderte und Nichtbehinderte zahlen in der Gruppe selbstverständlich bei Fahrten den gleichen Teilnehmerbeitrag. Ein solcher Effekt wäre natürlich absurd, so dass wir immer wieder zusätzliche Geldquellen erschließen mussten: seien es Stiftungsmittel, Spenden, kirchliche Zusatzförderungen etc.

Das Innovative des Projektes

Es ist eine integrative Gruppe von behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen ohne professionelle Betreuer, die sich sozusagen selbst steuert und deren Prinzipien nicht von irgendjemandem „erfunden“ wurden, sondern sich aus einer gelingenden Praxis ergeben haben. Es ist dabei gelungen, das ehrenamtliche Engagement nach wie vor als vorrangig durchzuhalten. Wer sich in der Gruppe engagiert, hat auch etwas zu sagen. Das Programm beschließen, bestimmen und organisieren die Jugendlichen selber, ob behindert oder nichtbehindert, ist dabei selbstverständlich völlig egal. Die Gruppe macht für junge Menschen erlebbar, dass Behinderung oft auch eine Fähigkeit sein kann. Das Normalitätsprinzip wird hier ganz selbstverständlich gelebt und Behinderung wird allenfalls als Besonderheit genutzt.
All dies führt dazu, dass Behinderte sich hier niemals als „Organisationsproblem“ erleben, sondern immer selbst als Mit-Organisatoren und wenn sie Hilfe erfahren, dann aus Freundschaft, aus der sie auch selbst das Ihrige zur Gruppe beitragen.
Innovativ ist darüber hinaus insbesondere die „Grufti-Gruppe“, da es normalerweise fast nicht möglich ist, Integration zwischen Behinderten und Nichtbehinderten im Jungfamilienalter zu erreichen. So ist diese Gruppe für einige de fakto geradezu zu einer Art Lebensbegleitung geworden.
Die Gruppe ist für gewisse Institutionen durch ihre Unstrukturiertheit und Vitalität immer wieder eine heilsame Provokation, da sie in kein Raster passt, aber dennoch als sinnvoll und geradezu notwendig erlebt wird.